Spanien erwandern
Wer an Spanien denkt, der denkt vor allem an die meist hoffnungslos überfüllten Strände und Hotelburgen entlang der Mittelmeerküste von den Pyrenäen bis Gibraltar. Doch Spanien verfügt auch über eine ganze Reihe recht imposanter Gebirge von unterschiedlichstem Charakter, die sich hervorragend auch für einen ausgedehnten Wanderurlaub eignen.
Immerhin ist Spanien nach der Schweiz das durchschnittlich höchstgelegene Land in Europa und erreicht in der Sierra Nevada eine Höhe von fast 3.500 m. Das sind rund 500 Meter mehr als die Zugspitze, der höchste Berg Deutschlands. Auch die Pyrenäen stehen mit etwa 200 Gipfeln von über 3.000 m in echter Konkurrenz zur Alpenregion und bringen es im Pico d’Aneto auf 3.400 m.
Spanien bietet also reichlich Gelegenheit zum Wandern, zum Entdecken und natürlich auch zum Beobachten einer ausgesprochen artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Mittlerweile existiert auch in Spanien ein breit gefächertes Angebot an Wanderreisen für Naturfreunde, dem sogenannten „grünen Tourismus“, und dank der Errungenschaft des Internet kann man bequem von zuhause aus heute selbst ganz individuell einen solchen Urlaub online buchen.
Eine regelrechte Perle unter den spanischen Sierras stellt das wilde Bergland von Jaén in Andalusien dar, mit über 200.000 Hektar der grösste Naturpark des ganzen Landes. Die abgeschiedene Lage im Landesinneren sowie eine – bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts andauernde – nur schwierige Zugänglichkeit haben dieses Gebiet vor einer gnadenlosen Abholzung, wie sie den Küstengebirgen widerfahren ist, bewahrt. Daneben befand sich im Herzstück des heutigen Naturparks das Lieblings-Jagdrevier von General Franco – auch dieser Umstand hat mit Sicherheit Einiges zum Erhalt des kostbaren Waldbestandes beigetragen.
Naturparadies hinter den Olivenbäumen
Vom einstigen Coto Nacional de Cazorla hat sich die Bergwildnis in den Parque Natural Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas gewandelt, wurde im Jahr 1983 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt und 1986 als Naturpark ausgewiesen. Heute ist die Sierra de Cazorla, um bei der landesüblichen handlicheren Kurzform zu bleiben, bei den Spaniern aus den grossen Ballungszentren ein ähnlich beliebtes Urlaubsziel wie in Deutschland der Schwarzwald oder der Bayerische Wald. Im europäischen Ausland dagegen ist die Gegend noch immer weitgehend unbekannt und gilt unter Insidern als der absolute Geheimtipp.
Die Spanische Schweiz liegt gut versteckt hinter den über 60 Millionen Olivenbäumen der Provinz Jaén und erstreckt sich entlang der N 322 bis in die Provinz Albacete, nach Süden und Osten reicht das Gebirge bis in die Provinzen Granada und Murcia hinein. Das Überraschendste an dieser Sierra ist der im sonst eher trockenen Süden schon fast unglaubliche Wasserreichtum: Das gesamte Bergland im Nordosten Andalusiens zählt zu den niederschlagsreichsten Gebieten Spaniens – und liegt doch nur etwa 100 km Luftlinie von der Wüste Almerias entfernt. Die Sierra de Cazorla ist das Quellgebiet des Rio Guadalquivir und des Rio Segura, die aus zahllosen kleineren Bergbächen stetigen Zuwachs bekommen. Das Wasser und der mediterrane Klimaeinfluss lassen eine üppige Flora und Fauna gedeihen, die ihresgleichen lange suchen muss.
Eine ganz ausführliche Beschreibung des Gebietes finden Sie bei Wandern in Andalusien, der wohl umfassendsten Website zur Sierra de Cazorla in deutscher Sprache. Der Autor stammt aus Deutschland und lebt seit 20 Jahren in der Sierra de Las Villas, dem nordwestlichen Teilgebiet, mit Frau und Esel auf einer alten Finca in 1.300 m Höhe, wo er im allerkleinsten Rahmen Wanderungen mit naturkundlichen Excursionen anbietet. Als Naturfotograf und Buchautor ist er ein kompetenter Führer für Naturfreunde und Partner für einen unvergesslichen Urlaub mitten in der Wildnis.